Stiftung Warentest: Setzen, Sechs!

Wundern kann man sich nur, wenn etwas eintritt, dass man zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Aus den Wolken fallen lässt einen der nette Nachbar, der Rosenliebhaber und Schöngeist, der nun doch ein perverser Massenmörder sein soll. Andere Dinge schmettern niemand nieder. Schwarzgeld-Ministerpräsident Koch in flagranti mit fünf Billionen im Kofferraum in Luxemburg? Da kann er nichts für, das steckt einfach in ihm drin. Erleichterung höchstens darüber, dass es diesmal nicht 10 Bille waren.

Viel schlimmer: es ist noch was faul im Staate Dänemark. Deutsche Schulbücher sind schlecht. Das wusste zwar keiner, überrascht aber auch niemand. Dass der Pisa Schock seine Ursache nicht in nobelpreisverdächtigen Schulfibeln haben kann, das hatte mancher schon geahnt.

Stiftung Warentest, die Mutter aller Ernüchterung, hat einmal mehr die Wahrheit ins Rampenlicht gezerrt. Wie immer mit besten Absichten. Aber war mir das Glück nicht näher, als ich noch dachte, die neue Waschmaschine sei ein Schnäppchen mit Raketentechnik? Heute, wo mir mit dem Testbericht im Schoße dämmert, dass ich nur die Schlange Media Markt am Busen nährte, lässt mich der Winter meines Missvergnügens jeden Tag mit Hass beginnen.

Nach Waschmaschinen, Windeln, Hämorrhoidensalben und elektrischen Nasenhaarschneidern wurde jetzt den Schulbüchern auf den Zahn gefühlt. Ergebnis: Deutsche Schulbücher sind richtig Schrott, totaler Mist. Sinnlos bunt bedrucktes Papier. Mal schnell den halben Amazonas-Urwald abgeholzt für nichts als Hochglanz-Plunder.

Das schreibt die Hauspostille «Test» jetzt. Unter anderem sei in einer Darstellung der Nahrungspyramide der Uhu über den Fuchs gestellt worden. Das würde bedeuten, dass Vögel Füchse fressen, weshalb das Auswärtige Amt von Waldspaziergängen am Sonntag dringend abrät.

In einem anderen Werk wurde auch die Funktion von Leber und Galle fehlerhaft dargestellt. Na und. Heute weiss doch wirklich keiner, ob Ecstasy eher auf Leber oder Galle geht.

Und drittens: der Darm eines Blauwals sei nicht - wie in einem Buch angegeben - 56 Mal so lang wie sein Körper, sondern nur vier bis fünf Mal. Das mag sein. Aber was sind schon 400 Meter unter Freunden?

Deutsche Schulbücher ohne Rechtschreibfehler würden einen eher hochschrecken lassen. Wie, ohne Rechtschreibfehler? Wo ist der Haken? Wer war da zugange? Die CIA? Will jemand den Kindern geheime Botschaften übermitteln, die bei falscher Rechtschreibung verlorengingen?

Dabei sind die angeblich schlechten Schulbücher nur stummer Protest gegen die Verbreitung unnützen Wissens. Nonsense Wissen wie Blauwal-Darmlängen, „welche Schuhgrösse hatte Christopher Kolumbus“, „wie hiess die Putze von Karl IV“, an dem sich die 68er noch aufgegeilt haben, ist eben out.

Gerade wegen dieser Bücher bleibt die Schule die beste Vorbereitung auf das Leben, jetzt, wo die Generation Praktikum auf den Arbeitsmarkt drückt. Auch wenn das die ewigen Tester in ihrem Stiftungs- Elfenbeinturm nicht wahrhaben wollen: wer naseweis Blauwal-Darmlängen kennt, ist als Praktikant verdächtig, wer nur Kaffee kochen kann, nicht.

Und mal ehrlich: wer sich in fehlerfreiem Goethe-Deutsch zehnseitig auf ein Praktikum bewirbt, wird vom Personalchef, der die Kommaregeln für ein Teil des Kamasutra hält, doch sofort aussortiert.

Nichtwissen ist Selbstschutz. Das haben die Schluffis von der Stiftung Warentest natürlich nicht bedacht. Setzen! Sechs!