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Viva la revolución!
Nichts ist so lästig wie die Anderen. Manchmal kann man seine Nächsten nicht lieben wie sich selbst, weil die Nächsten oft ausgesprochene Nervensägen sind. Noch lästiger aber sind die Meisten tot, wenn gegen ihre Halsstarrigkeit überhaupt kein Kraut mehr gewachsen ist.
Deshalb gibt es seit 5000 Jahren den Konsens, die Toten möglichst schnell aus dem Verkehr zu ziehen. Der Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt. Manche werden einbalsamiert und lümmeln dann lässig in einem Glassarg wie Schneewittchen oder Lenin. Das hat den Vorteil, dass man als Angehöriger 400 Jahre lang ein fettes Eintrittsgeld kassieren kann, aber den Nachteil, dass man vor dem Abzocken ein Mausoleum mit Kassenhäuschen bauen muss.
Wer sich mit dem Mausoleumsbau nicht auskennt, könnte die Verschiedenen auch, wie bei der BBC-Hindu-Doku gesehen, malerisch auf brennenden Holzflössen die Isar hinuntertreiben oder im Gebirge den Geiern überlassen. Aber gegen diese malerische Alternative laufen provinzielle Stromerzeuger und Ewiggestrige des Alpenverein Sturm.
Es bleibt beim Alten. Heilige Flüsse, auf denen man guten Gewissens brennend hinuntertreiben könnte, gibt es hierzulande sowieso nicht, aber auch die grosse alte Dame der Entsorgung, die Erdbestattung, musste Federn lassen. Seit Greenpeace mit bunten Schlauchbooten herumbrettert und mit dem Finger auf jedes Pipi im Bergbach zeigt, ist auch das Einbuddeln im Trinkwasser-Schutzgebiet nicht mehr gern gesehen.
Denn dass die Leiche bald in den ewigen Kreislauf zurückkehrt und mit dem umgebenden Boden eins wird, Erde zu Erde, Staub zu Staub, ist folkloristischer Blödsinn. Auf vielen Friedhöfen verwesen Leichen wesentlich langsamer als gewünscht oder gar nicht. Allein in Baden-Württemberg haben vierzig Prozent der Friedhöfe mit dem Problem zu kämpfen.
Da hat’s der Wiener gut. Im Zentralfriedhof ist nicht nur Stimmung, auch die Leichen verwesen rascher. Nach zehn Jahren ist nix mehr da. Dank Lösboden. Aber woher den ganzen Lös nehmen und nicht stehlen? Bei Lehmböden sieht es zappenduster aus. Da kann die Zersetzung ganz ausbleiben. Und sich die sogenannte "Fettwachsleiche" eigensinnig als Untermieter einnisten.
Das könnte jetzt bald anders werden. Dank Biologin Susanne Wiigh-Mäsak. Der schwedische Fettwachsleichen-Schreck mit dem Zungenbrecher-Namen tourt durch die Lande wie früher Abba. Sie trällert aber kein „Knowing me, knowing you“, sondern ist seit 20 Jahren begehrte Referentin für ökologischen Anbau und Kompostieren.
Ihre Firma Promessa Organic will Leichen bei minus 196 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff gefriertrocknen und durch mechanische Vibrationen in grobes Pulver umwandeln. Wenn die Leiche dann in Nescafe-Pulverform vorliegt und man nach dem Trocknen mit einem kleinen Metallrechen noch die Amalgam-Plomben und Hüftgelenke rauskehrt, sollen die Überreste eines 75 Kilogramm schweren Menschen nur noch 25 Kilogramm wiegen.
Bestimmt gibt es für die Öko-Bestattung bald den grünen Punkt, denn sie schont Wasser, Erde, Luft. Die Lutheranische Kirche von Schweden ist auch schon Feuer und Flamme und will lieber gestern als heute mit dem Gefriertrocknen im großen Stil beginnen.
Na prima. Und was machen wir dann bei der nächsten Dracula-Verfilmung ohne Fettwachsleichen? Soll dann beim Showdown um Mitternacht auf dem Friedhof eine Nescafe-Dose aus dem Sarg hopsen, nur weil es umweltverträglicher ist? Soll, darf ein städtischer Umweltreferent Vampire und Zombies, wenn sie um Mitternacht erwachen und in die Arbeit wollen, tatsächlich am Grabesrand höhnisch fragen: „Entschuldigung, haben Sie überhaupt eine Liegegenehmigung hier im Wasserschutzgebiet? Kann ich mal Ihren Ausweis sehen?“
Der wahre Gruselfan kann nur hoffen, dass die Wiigh-Mäsak irgendwo beim Dreisatz einen Zahlendreher drin hat und ihre Trocknungsmaschine im Dauerbetrieb jamesbondmäßig explodiert und das unterirdische Geheimlabor vernichtet! Dann wäre die Fettwachsleiche gerettet und mit ihr lange, friedliche Samstagabende mit Trashfilm, Bier und Biochips.
Wenn immer möglich, sollte
Wenn immer möglich, sollte man mit einer Lösung zwei Probleme bewältigen. Hier: Die Leichen mit Kunstharz übergießen, über den Kopf Habicht-Masken ziehen und die Statuen überall in der Stadt als Taubenschreck aufstellen. Angehörige sparen sich den deprimierenden Weg in den Friedhof … Omi steht an der Galluswarte!