sucht zur Ergänzung des Teams Autorinnen und Autoren. Verwenden Sie bei Interesse bitte das Kontaktformular und lassen Sie uns am besten gleich eine Textprobe zukommen!
Viva la revolución!
Im Leben der heranwachsenden Dame spielen Tiere eine nicht zu unterschätzende Rolle. An ihnen übt sie elementare Dinge, wie Dressur und Pflege. Dinge, die ihr im späteren Leben von gewaltigem Nutzen sein werden. Ist die Hürde der Kleintiere ohne allzu hohe Verluste gemeistert, kann sie sich größeren Aufgaben, wie Schoßhündchen und Reitpferd zuwenden. So ist es dann auch vollkommen normal, wenn aus der Tiefe eines reinen Mädchenherzens beim ersten Anblick eines Mannes, oder wie wir ihn in diesen Ausführungen zoologisch korrekter nennen wollen, eines Männchens, der entzückte Ausruf quillt: „Ist der aber niedlich“. Schon bald wird der Wunsch übermächtig werden, solch ein schönes Spielzeug selbst einmal zu besitzen. Wer ein Meerschweinchen problemlos durch einen strengen Winter gebracht hat, sollte auch in der Lage sein, ein Männchen zu halten.
Aber Vorsicht: Unsachgemäß gelagert oder ungekonnt behandelt kann der Besitz eines Männchen zu den allergrößten Schwierigkeiten führen. Dies geht von Migräneanfällen und Depressionen über Magenprobleme und Übelkeit und kann in schwerwiegenden Fällen sogar zu Erbrechen und Schwangerschaft führen. Derartige Unfälle sind jedoch selten und können bei artgerechter Haltung nahezu vollständig vermieden werden. Dennoch möchte ich zur Umsicht raten. Das Männchen ist à priori kein Haustier und sollte keineswegs mit einem Schoßhündchen verwechselt werden. Dieses kann sehr possierlich und meist sogar auf Kommando mit dem Schwänzchen wedeln. Dazu ist das Männchen auch nach längerer Übung nicht in der Lage.
Doch hat das Männchen andere Dinge zu bieten. Wer es einmal in seinem natürlichen Habitat, etwa einer Kneipe, erleben durfte, wird sich der Faszination kaum entziehen können. Wie es mit gewaltigen Schritten den Schankraum durchpflügt, sich mit derben Pranken auf den Tresen stützt, um dann mit rauer Stimme durch die Zapfstube zu röhren: „Ex oder Arschloch!“, das ist schon beeindruckend. Wer dies einmal mit eigenen Augen erleben durfte, der kann die ungeheure Kraft und die ungezähmte Urwüchsigkeit dieser edlen Geschöpfe wenigstens ansatzweise erahnen.
Nach den ersten Versuchen, ein Männchen in einschlägigen zoologischen Fachgeschäften zu erwerben, wird man schnell feststellen, dass diese nicht vorrätig sind. Der Grund ist ein recht einfacher: Sie laufen frei herum.
Dies macht den Erwerb allerdings keineswegs leichter. Das Männchen ist ein scheues Fluchttier und muss listig eingefangen werden. Bitte beachten Sie dies, denn allzu forsche Draufgängerinnen erleben meist eine herbe Enttäuschung.
So ist die Eroberung eines Männchens eher unwahrscheinlich, wenn die Interessentin in der Lobby eines gut besuchten Hotels auf es zugeht und ihr Interesse damit bekundet, dass sie es in den Schritt fasst und laut jubelnd ausruft: „Das ist jetzt meiner! Und den Rest nehme ich auch gleich noch mit“. Beim Männerfang ist Raffinesse angesagt. Das Männchen sollte mit Hilfe einer Falle gefangen werden. Übliche Fallen sind tiefes Dekolleté, hautenges Kleid oder hochhackige Schuhe. Das Männchen wird bereits beim ersten Anblick zügig angaloppiert kommen. Sie haben ihm dann nur noch einen passenden Halfter umzulegen und können es widerstandslos mit nach Hause führen.
Das Männchen ist ein Wildtier, das nur ansatzweise domestiziert werden kann. Die Dame, die hier zu viel erwartet, wird schnell enttäuscht werden. Sicher kann man auf diesem Gebiet schöne Erfolge erzielen, die im Kreise eines ehrenwerten Kaffeekränzchens gerne auch einmal demonstriert werden können. Es ist wunderschön anzusehen, wenn ein Männchen treu ergeben neben seiner Besitzerin herdackelt, dabei sämtliche Einkäufe eines anstrengenden Shopping-Nachmittages apportierend. Dies sind jedoch Höhepunkte der Dressur, die so nur selten gelingen und mit jahrzehntelangem Schweiß bezahlt werden müssen.
Beginnen wir lieber mit den elementaren Dingen, wie der Stubenreinheit. Männchen werden schnell handzahm, wenn sie richtig behandelt werden. Dennoch eignet sich eine Wohnung nun einmal nur sehr bedingt zur Unterbringung von Wildtieren. So ist es keineswegs verwunderlich, wenn das Männchen mit schmutzigen Hufen über den frisch gefönten Perserteppich trabt. Dies kann schnell zu Missmut und Tränen führen, muss es aber nicht, wenn man das Männchen artgerecht behandelt.
Bauen Sie ihm einfach ein Körbchen, in dem es sich so richtig wohl fühlt. Das Männchen wird dazu auf dem Sofa platziert, dem man die Fernbedienung für den Fernseher beilegt. Ein oder zwei kühl gestellte Bierflaschen, Knabberzeug und eventuell ein Computer komplettieren die Einrichtung des Nestes. Ihr Männchen wird nun nicht mehr orientierungslos durch die Wohnung vagabundieren, sondern sich unverzüglich auf sein behagliches Plätzchen begeben, wo er Sie bei der Verrichtung ihrer segensreichen Tätigkeiten nicht weiter stören wird. Es gibt bestenfalls noch Knurr- und Schmatzlaute von sich. Dies ist jedoch normal und muss die Halterin nicht weiter beruhigen.
Die Säuberung des Männchens ist ein weiterer schwieriger Punkt, den es zu meistern gilt. In freier Wildbahn übernimmt es dies selbstständig, indem es sich im Wasser wilder Bäche suhlt. Eine Möglichkeit, die ihm in der Wohnung nicht zur Verfügung steht. Auch tut er dieses nur wenige Male im Jahr, was beim engen Zusammenleben im Wohnbereich zu unerträglichen Geruchsbelästigungen führen kann. Renitente Männchen, die sich allzu heftig weigern, sich von ihrer geliebten Freizeithose zu trennen und unter die Brause zu treten, sollten jedoch keineswegs mit roher Gewalt dazu gezwungen werden. Hier ist Diplomatie angesagt, die in diesem Falle darin besteht, die Hose zusammen mit dem Männchen in die Waschmaschine zu stopfen und bei 60 Grad gründlich durchzuspülen. Danach sind Hose und Männchen sauber und bei Verwendung eines preiswerten Weichspülers auch geruchlich wieder im annehmbaren Bereich.
Immer wieder findet man in älteren, schlecht geschriebenen Ratgebern die Aussage, das Männchen sei ein Allesfresser. Manche Dame ist so wohl auf den abwegigen Gedanken gekommen, das Mahl mit ihrem Männchen zu teilen. Dies ist jedoch ein schrecklicher Irrtum. Blattsalate, Gemüseaufläufe, Risotto, Joghurt, Vitamindrinks und anderer widerlicher Fraß sind für die Ernährung des Männchens nicht geeignet. Besser ist da halbrohes Fleisch, Schlachtabfälle und als Vitamin- und Minerallieferant Sauerkraut, grüne Bohnen oder Bier. Schlecht ernährte Männchen gammeln trübselig vor sich hin, neigen zu Haarausfall, Depression und im schlimmsten Fall zur Flucht in die nächste Wirtschaft. Gut ernährte neigen zur Bauchbildung und sollten aus diesem Grunde nach den Mahlzeiten regelmäßig Gassi geführt werden.
Insgesamt ist das Männchen also ein Luxusgeschöpf und benötigt viel Hege und Pflege für sein Gedeihen. Dennoch kann es täglich zur Arbeit geschickt werden, wodurch seine Besitzerin einen schönen Batzen Geld erwirbt, ohne selbst allzu viel dafür zu tun. Ebenso ist das Männchen schon nach einigen Jahrzehnten der Dressur eingeschränkt als Hilfe im Haushalt zu gebrauchen. Aber erwarten Sie hier besser nicht zu viel. Die meisten Exemplare beherrschen allerlei kleine Kunststückchen im häuslichen Reparatur- und Servicebereich, können etwa Fliesen legen, Wände mauern, Häuser bauen, Autos reparieren, tapezieren, Steuererklärung ausfüllen und was dererlei Nichtigkeiten mehr sind. Natürlich könnte man auch Handwerker damit beauftragen, in dem man als Frau temporär den Körper als Entlohnung zur Verfügung stellt. Dies muss aber nicht sein.
Neben den finanzielle Vorteilen, bringt der Besitz eines Männchens der Halterin das Glück. Über diesen Satz werden langjährige Männchenbesitzerinnen verwundert den Kopf schütteln. Und dennoch ist das schier Unglaubliche wahr. Beobachten Sie Ihr Männchen doch einmal genauer. Wie es auf seinem Sofa liegt und sein Nachmittagsnickerchen macht, zufrieden mit sich und der Welt. Männer sind immer glücklich, Frauen nie. Warum ist das so? Niemals käme ein Mann auf die Idee, sich mit den Models aus einer Illustrierten zu vergleichen, nie käme ihm in den Sinn, stundenlang vor dem Spiegel nach körperlichen Makeln zu suchen, undenkbar wäre es für einen Mann, seine Stimmung von der Anzeige einer Waage abhängig zu machen. Jeder Mann hat einmal drei Kilo gewogen, etwas Zunahme ist da ganz normal.
Da werden Schmerbäuche mit einer Würde getragen, die jede Frau vor Neid erblassen lässt. Glück ist männlich und für Frauen einfach nicht drin. Was Glück bedeutet, werden Frauen nie erfahren. Sie können es bestenfalls erahnen, wenn Sie Ihren Mann bewundernd anschauen.
---
Foto: (c)Marco Barnebeck / PIXELIO
Davon träume ich schon lange. Woher hast du es...
Ich finde dich so romantisch - möchtest du mal...
;D weiter so...
Danke für diesen wunderbaren Artikel - auch ich bin...
... aber erst, nachdem sie von ihm gelernt hat,...
Ja, das mit dem Kloschaum ist so eine Sache....
Aber gerade von Michael Ballack könnten Sie das Nachtreten...