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Viva la revolución!
Das Grundgesetz wird ordentlich rasiert. Computerüberwachung durch Trojaner, biometrische Ausweise, Abhörung von Handys und Überwachung soweit die Kamera schaut. 1984 ist schon lange veraltet. Sobald ein Mensch auch nur ansatzweise mit dem Posten des Innenministers in Verbindung gebracht wird, bekommt dieser mit sofortiger Wirkung Sicherheits-Paranoia und dreht am Rad.
Und nun will Schäuble auch noch an meiner Unterwäsche schnüffeln. Genug ist genug. Zeit auf die Straße zu gehen. Zeit für eine Demonstration.
Gesagt getan, und so machte ich mich am Pfingstmontag auf den Weg und was ich sah, überwältigte mich. Da war eine große Menge Menschen aus den verschiedensten Strömungen zusammengekommen, um friedlich zu demonstrieren.
Überrascht war ich etwas vom politischen Engagement der Polizei. Sie alleine stellte circa 1/3 der Demonstrations-Teilnehmer und war überall dabei. Am Ende der Demo war gar soviel Polizei vor Ort, dass man sich gar nicht mehr bewegen konnte, und so ging ich nach Hause. Im Kopf die Bilder der bunten und kreativen Proteste. Das hat mich beeindruckt.
Gut... man muss dabei gewesen sein, da der Teil der Demo, den ich meine, in den Tagen danach in den Medien nicht mehr präsent war und komplett vergessen wurde, weil sich irgendein schwarzer Block mit irgendeinem anderen schwarzen Block geprügelt hatte und sich alles darum drehte welcher schwarze Block jetzt angefangen hat, und ob der eine schwarze Block sich überhaupt geprügelt hätte, wenn der andere schwarze Block ihm nicht ständig auf den schwarzen Füßen gestanden hätte. Nuja ... zum Abschluß hatte der eine schwarze Block die Bilder, die er wollte und der andere schwarze Block die Bilder die er brauchte.
Ich dagegen war noch gedopt mit den bunten Bildern und voller politischem Tatendrang. Bereit, gegen die Ungerechtigkeit auf dieser Welt zu kämpfen. Bereit, Aufklärung zu leisten, Menschen zu mobilisieren und den friedlichen Protest in mein Stadtviertel zu tragen. Und dort kam ich schließlich an. In Hamburg Eppendorf. Das Monaco unter den Vierteln. Der Mercedes unter den Golfs. Und hier sollte es also beginnen. Sofort war mir klar, dass ich eine Menge zu tun habe, aber ... man muss sich Ziele setzen. Und so flanierte ich am Salon Rolf&Bernd vorbei und malte mir schon die Schlagzeilen aus.
Hamburg, 25.05.2007 - Im Hamburger Stadtteil Eppendorf kam es am gestrigen Samstag zu einer Großdemonstration. Auf der Startkundgebung überreichte die Eppendorfer Allgemeinmedizinerin Ursula von Schönen eine Unterschriftenliste samt Forderungen an einen Fahrradkurier, der diese umgehend zum Rathaus brachte. Dann setzte sich der Zug umschlossen von einem mobilen Polizeikessel und lautstark in Bewegung. Zu einem ersten Zwischenfall kam es auf Höhe des Edelfranzosen Ched Bernard. Die 53jährige Grundschullehrerin Renate Schmidt wurde von der Polizei festgesetzt, als sie einen Stuhlkreis aufbaute und die Polizisten aufforderte, sich hinzusetzen und über das Problem zu reden:
„Ok ... Wer hat angefangen??“
Die Situation klärte sich erst, als Frau Schmidt noch direkt vor Ort von ihrem Ehemann und Anwalt für internationales Erbrecht, Rudolf Schmidt, freigeklagt wurde.
Kurze Zeit später wurde der Zug erneut von der Polizei gestoppt, da mehrere Teilnehmer gegen das Vermummungsverbot (§ 17a Absatz 2 ) verstießen und sich hartnäckig weigerten, ihre Kaschmirschals und die Gucci-Brillen abzunehmen. Stattdessen bildeten sie Ketten und knoteten dazu Ihre Armani-Taschen zusammen.
Da nun auch diese Armani-Seiten-Transparente laut Sicherheitsauflagen zu breit waren, erlaubt waren 1,50 m, griff die Polizei entschlossen durch. Empfangen wurde sie mit einem Hagel von Autoschlüsseln und Handys. Als ein Greiftrupp der gefürchteten Polizeieinheit 21, die zur Amtsunterstützung mit einer Hundertschaft aus Uelzen angereist war, einen der militanten Handywerfer verhaften will, eskaliert die Situation vollends. Die Polizisten setzen Schlagstöcke ein und ziehen den Kessel enger. Die Demonstranten wehren sich mit KO-Gas und Chanel Coco Madmousel. Das verführerische Parfum für die schöne und intelligente Frau von Heute versprüht nicht nur einen orientalisch-blumigen Duft, sondern brennt auch in den Augen.
Auf dem Eppendorfer Markt errichteten militante Autonome des Golfclubs „Loch 18“ Barrikaden aus Designermöbeln. Ein Katz- und Mausspiel mit der Polizei lieferten sich derweil Autonome aus dem Umfeld des Seniorenheims „Zum Pfarrberg“. Diese gewaltbereiten Demonstranten fielen auch schon in der Vergangenheit durch besondere Brutalität auf und zählen laut Polizei zum gefürchteten „Beigen Block“. Die Demonstration wurde schließlich durch den Einsatz von Wasserwerfern und Pfefferspray beendet.
Auf der anschließenden Pressekonferenz sprach die Polizei von einem erfolgreichen Einsatz. „Wir haben schnell und entschlossen zugeschlagen und konnten schlimmeres verhindern“, sagte der Innensenator und stellte sich damit obligatorisch vor seinen Polizeichef, der seine Null-Toleranz-Taktik gegenüber aggressiven Reichen vehement verteidigte. Ursula von Schönen hingegen sprach von einem großen Polizeiskandal und drohte dem Polizeichef offen mit der Aufkündigung des guten nachbarschaftlichen Verhältnisses. Um die Drohungen zu untermauern, sagte sie das für nächste Woche im Wintergarten angesetzte Barbecue ab.
Ich wurde aus den Gedanken gerissen als mich ein Bettler anschnorrte. Ich gab ihm wie immer seine zehn Cent und ging weiter. Vielleicht sollte ich doch nicht in Eppendorf anfangen. Aber so lange Kinder verdursten, während in ein paar hundert Kilometer Entfernung in der Wüste auf saftigen Grüns Golf gespielt wird, werde ich weiter friedlich demonstrieren gehen. Und wenn ich darum nun auf einmal ein Terrorist sein soll ... dann bin ich halt einer.
Davon träume ich schon lange. Woher hast du es...
Ich finde dich so romantisch - möchtest du mal...
;D weiter so...
Danke für diesen wunderbaren Artikel - auch ich bin...
... aber erst, nachdem sie von ihm gelernt hat,...
Ja, das mit dem Kloschaum ist so eine Sache....
Aber gerade von Michael Ballack könnten Sie das Nachtreten...