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Viva la revolución!
Ich habe keine Digitalkamera. Bis vor kurzem konnte ich dies noch mit dem naiven Trotz dessen gestehen, der am Rande der multimedialen Gesellschaft steht als ein Ausgestoßener, als ein Outlaw des Informationszeitalters, einer, auf den vierzehnjährige Handysymbiotiker mit Fingern zeigen würden, wären diese nicht an winzigen Knöpfchen festgewachsen.
Statt einer Digitalkamera habe ich eine Spiegelreflex aus den glorreichen Siebzigerjahren, als die Technik noch analog war und man sich mit Objektivwechsel und Blende einstellen wichtig machen konnte. Heute kann man damit niemanden mehr beeindrucken. Einst wollte ich für ein lustiges Foto den Ehegatten einer Freundin unter einem Riesenbärenklau ablichten, doch memmte und zappelte der geliehene Ehegatte die ganze Zeit herum, weil er auf einem Ameisenhaufen stand und die heilige Prozedur des Belichtungszeiteinstellens als außerordentlich qualvoll empfand, und ruinierte durch sein wenig mannhaftes Gebaren meine schönen Aufnahmen.
O tempora, o mores, möchte man da halbgebildet goldenen Zeitaltern hinterherseufzen, als Männer noch Männer waren und die Fotografie mit ihren geheimnisvollen Ritualen ein Akt der Magie. Doch ich neige nicht zum Seufzen und wende den Blick lieber neuen Horizonten zu und lieben Mitgeschöpfen, die dort stehen und weniger labil sind als meine männlichen Artgenossen, Bäumen zum Beispiel. Bäume laufen auch beim längsten Objektivwechsel nicht weg oder schreien „beeil dich, beeil dich.“ Aus diesem Grunde schlurfe ich in meiner Freizeit gerne mit einer voluminösen Kameratasche durch die Gegend und fotografiere Horizonte mit Bäumen davor.
Neulich hatte ich mal wieder Freizeit, weil ich nämlich Urlaub hatte, und erschreckte harmlose Radfahrer, indem ich in der schönen Natur herumstapfte und alle paar Meter mit meinen monströsen Gerätschaften herumfuhrwerkte. Anschließend kehrte ich zurück in die Zivilisation, denn es musste ein Film entwickelt werden, und mit dieser heiklen Aufgabe betraue ich gerne die Drogeriemarktkette meines Vertrauens. Und dort geschah dann Schreckliches.
Am Eingang der Drogerie war ein kruder Kerl installiert, der sonst nicht da gewesen war. Der krude Kerl trug einen dunklen Anzug und war mit dem Aufdruck „Detektei Humtata“ dezent beanstecknadelt. Er wünschte mir in drohendem Ton einen guten Tag und heftete sich sogleich an meine Fersen, denn nicht nur besitze ich eine voluminöse Kameratasche, ich bin auch sonst kein Freund zierlicher Tragebehältnisse, und das sackartige Gepränge, welches mir von der Schulter baumelte und mein Filmdöschen barg, hatte des kruden Herrn Misstrauen erweckt. Als ich am Filmabgabetischchen meinen Film eintüten wollte, packte mich eine haarige Faust am Nacken, und eine Stimme donnerte durch die parfümierte Drogeriemarktluft: „DEN FILM NICHT IN DEM DÖSCHEN IN DIE TASCHE TUN!“
Mir fiel vor Schreck der Kugelschreiber hin, mit dem ich die unvorschriftsmäßig film-im-döschen-befüllte Tasche beschriften wollte, doch man ließ mir keine Zeit, das Schreibgerät wieder aufzuheben, sondern zerrte mich fluchend und schreiend auf die Straße, wo mich ein wütender Mob teerte und federte, mir ein Schild mit der Aufschrift „ICH HABE MEINEN FILM MIT DEM DÖSCHEN IN DIE TASCHE GETAN“ um den Hals hängte und mich einige Male die Fußgängerzone hinauf- und hinunter jagte. Anschließend band man mich vor der Kirche an den Pranger, und dort stand ich für den Rest der Woche und musste mich am Markttag von Kindern mit faulem Obst und Gemüse bewerfen lassen.
Erst am Sonntag nach dem Hochamt ließen sie mich wieder laufen, nachdem der Pfarrer eine glühende Predigt gehalten hatte wider die bodenlose Verderbtheit jener, die da eintüten ihre Filme im Filmdöschen und nicht gedenken des Satans, der listig einfährt in kleine runde Behältnisse mit Flutschdeckeln drauf, auf dass sinnlos geprasst wird mit heiliger Arbeitszeit in Fotolabors.
Geläutert und mit gammeligem Blumenkohl im Haar ging ich nach Hause und schwor ab einer teuflischen Technik, welche Männer auf Ameisenhaufen Höllenqualen leiden lässt und teure Fotolaborantenarbeitszeit mit unnötigem Döschenaufmachen vergeudet. Die Spiegelreflex des Bösen gab ich mitsamt ihren diabolischen Wechselobjektiven auf dem Scheiterhaufen den Flammen anheim, und ich schwor einen heiligen Eid, dass ich keinen Baum mehr schauen werde, bevor mir das Christkind eine Digitalkamera gebracht hat.
Der Guido hat sogar mal eine
Der Guido hat sogar mal eine Wespe gerettet! (Was 6+7 ist wollen sie jetzt wissen *überleg*)
Eine Wespe gerettet??? Nun
Eine Wespe gerettet??? Nun muss ich mich wohl endgültig in Demut verneigen und gelobe, nie wieder den Herren der Schöpfung Memmenhaftigkeit zu unterstellen!
Du weißt schon, dass
Du weißt schon, dass “Endgültig” für immer ist?
Es rührt mich sehr, dass du
Es rührt mich sehr, dass du dir Gedanken um meine Bandscheiben machst. 6+7 ergeben in der Summe übrigens 13.
Also ich finde es nicht in
Also ich finde es nicht in Ordnung, geradezu blasphemisch und ein Frechheit, dass hier Leute schreiben dürfen, die den Frefel des Filmdosen-Mit-Eintütens begangen haben. Aber nunja, das müssen die Betreiber dieser Seite spätestens vor dem Herrn rechtfertigen. Auch dass man uns Herren der Schöpfung als Memmen bezeichnet, ne, also dem muss ich aufs schärfste widersprechen. Ich hab zum Beispiel letztens sogar mal - nein, keine Ameise - ´ne Raupe angefasst, ohne Handschuhe, und hab kaum geweint dabei. Das beweist doch wohl genug, oder?!
Lieber Guido, soviel
Lieber Guido,
soviel Männlichkeit ist wirklich beeindruckend. Ich werde der Freundin (der mit dem Ehemann) gleich von dir berichten.