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Viva la revolución!
Die Globalisierung stellt alles auf den Kopf. Was heute noch der letzte Schrei und in aller Munde ist, kann morgen schon ein alter Hut sein. Früher waren Zuckerhut-Postkarten mit Jesusstatue der Exportschlager Brasiliens. Heute ist Brasilien Weltmarktführer bei Treibstoffen aus Zuckerrohr, während der Katholizismus als Ladenhüter aus vielen Regalen verschwunden ist.
Brasilien liegt in Südamerika. Reisende aus Europa müssen übers Meer. Wer also in Erdkunde nicht aufgepasst und billige Schlafwagentickets von Frankfurt am Main nach Rio für 100 Euro gekauft hat, dem wird das Lachen schnell vergehen. Vermutlich ist er einem Betrüger aufgesessen. Deswegen ist Papst Benedikt auch mit dem Flugzeug nach Brasilien gedüst.
Dort geißelte der Heilige Vater nach der Landung das Streben der Menschen nach Sinnenlust und weltlichen Genüssen. Im wahnhaften Streben nach solchen weltlichen Genüssen sind viele Brasilianer auf protestantische Freikirchen und Sekten hereingefallen und halten die Heilige Mutter Kirche jetzt für eine bösartige, bigotte Irrlehre.
Auf gut deutsch findet der Kirchen-Kapo Kaufrausch und Jetset-Leben nicht OK. Er selber geht mit gutem Beispiel voran. Wie alle Päpste vor ihm lebt er bescheiden in einer kleinen Lehmhütte ohne Strom und fließend Wasser vor den Toren des Vatikan. Jeden Tag, bei Wind und Wetter, erhebt er sich im Morgengrauen von seinem kargen Strohlager, schlüpft in sein einziges Gewand aus grobem Linnen und schlurft dann ohne Frühstück aus dem Haus. Sein Ziel sind die vatikanischen Gärten, wo er sich mit Unkrautzupfen ein kleines Zubrot verdient.
Denn anders als die Fernsehbilder uns weismachen wollen, sind Protzerei, Pomp und Gloria im Vatikan längst passee. Mit dem Internet ist die wichtigste Einnahmequelle, der Verkauf von Heiligenbildchen, völlig weggebrochen. Die Gläubigen lassen sich vom Scanner-Satan in Versuchung führen, digitalisieren den Heiligen Franz und raubkopieren ihn dann in einer schwachen Stunde fünf Millionen mal. Der Heilige Stuhl geht leer aus. Längst musste Benedikt alle Mitarbeiter feuern. Nur er selber ist geblieben. Unkrautzupfen, Fensterputzen, die sixtinische Kapelle mit Sagrotan rauswischen, alles muss er jetzt selber machen.
Die Heerscharen Bediensteter und purpur gewandeter Kardinäle, die bei Liveübertragungen vom Petersplatz für hohe Einschaltquoten sorgen und den Eindruck vermitteln, es wäre alles beim Alten, sind in Wirklichkeit versoffene Statisten der BBC. Nach Sendeschluss geben sie die Kardinalskostüme in der Requisite ab und kehren fluchend und grölend in ihre Wohnmobile zurück.
Benedikt selber trinkt nicht, raucht nicht. Nur ein einziges, kleines Laster hat er, zu dem er auch steht und das ihn umso menschlicher macht. Wie viele arme Südamerikaner frönt auch Benedikt der Vielfliegerei. Gleich hinter seiner Lehmhütte liegt versteckt von einigen Büschen die acht Kilometer lange Start- und Landebahn mit dem eigenen Düsenflieger, den sich Benedikt vom Mund abgespart hat.
Jetset-Bene, wie ihn die Brasilianer deshalb liebevoll nennen, hat gute Chancen, die Brasilianer den Klauen der Lutherischen zu entreißen und wieder auf den rechten Weg zurückzuführen. „Die Kirche muss auch Solidarität mit den Armen üben“, sagt er. "Die armen Menschen am Rand der Städte und auf dem Land müssen die Nähe der Kirche spüren."
Wann immer es seine Arbeit erlaubt dreht er deshalb mit seinem Jet abends seine Solidaritäts-Runden und winkt im Tiefflug milde lächelnd den Armen in den Slums zu. Wer also mal im Elendsviertel in eine Schiesserei mit einem Drogenkartell verwickelt wird und plötzlich den heiligen Düsenflieger über sich brausen sieht, kann jauchzen und frohlocken. Während die scheinheiligen Revolverhelden verzückt dem fliegenden Papamobil zuwinken, kann er die himmlische Hilfe zur Flucht nutzen und sich mit dem Drogengeld beispielsweise eine bescheidene neue Existenz als Diamantenhändler aufbauen.
Davon träume ich schon lange. Woher hast du es...
Ich finde dich so romantisch - möchtest du mal...
;D weiter so...
Danke für diesen wunderbaren Artikel - auch ich bin...
... aber erst, nachdem sie von ihm gelernt hat,...
Ja, das mit dem Kloschaum ist so eine Sache....
Aber gerade von Michael Ballack könnten Sie das Nachtreten...