Ich hatte einen Tee in Afrika

Alle Menschen sind gleich. Vor allem die Frauen. Frauen wollen immer teure Geschenke. Am liebsten Gold, Diamanten und Pelzroben, vor allem die, die sich selbstlos geben und behaupten, angeblich überhaupt nichts für sich zu wollen und schon über eine Einladung auf eine Currywurst glücklich wären. Sind sie aber nicht. Liegt nämlich ein Diamantringlein neben den Fritten, bleibt die leckere Currywurst links liegen.

Wie der König der Löwen kommt auch der Diamant aus Afrika, wo einem die Sonne den lieben langen Tag so umbarmherzig auf den Skalp herunterbrennt, dass einem ohne Mövenpick Eis ganz schwurbelig wird. Um der Mühsal noch die Krone aufzusetzen findet sich der Stern von Afrika aber nicht glitzernd am Strassenrand, wo man ihn nur aufheben und im linken Socken durch den Zoll schmuggeln müsste.

In Afrika wird der Diamant aus kilometertiefen Löchern gebuddelt. Bei Tageslicht schleifen dann holländische Juweliere möglichst viele Kanten hinein. Der holländische Hendrik blockiert nicht nur gerne Überholspuren mit Wohnwagen, er zockt auch gern möglichst viel für’s Diamantenschleifen ab. Deshalb kostet der nutzlose Plunder ein Vermögen, bis er endlich bei Woolworth auf dem Wühltisch liegt.

Dabei ist der Diamant tatsächlich zu gar nichts zu gebrauchen. Er lässt sich höchstens um den Hals hängen und mit einem Stroboskop anblitzen, damit das Hollywood-Glitzern schön zur Geltung kommt. Wer aus verarmtem Adel stammt und noch eine alte Krone im Keller hat, ist fein raus, kann den Klunker einpassen und noch ein paar Jahre auftragen.

Die Dame von heute nölt solange herum, hat dauernd Migräne, will nicht kochen, will nie ficken, bis ihr Verehrer dem Genesungsmittel Diamant zustimmt. Dafür muss er sich zwar bucklig schuften, aber was tut die gequälte Seele nicht für den lieben Seelenfrieden. Für sonstige Anschaffungen bleibt nichts übrig. Das hat aber den Vorteil, dass der abgebrannte Don Juan keine Steuern zahlen kann. Deshalb ist Steuerhinterziehung auch kein Kavaliersdelikt.

Wer zu ungeschickt zum betrügerischen Konkurs ist und zu feige eine Bank auszurauben, muss den Diamanten ansparen. Monat für Monat kommt die nächste Rate in den Schuhkarton oben im Ikea Billy Regal. Kommode Tromsö wäre abschliessbar, aber dafür hat es damals nicht gereicht. Billy ist Verlockung pur. Denn während der eiserne Wille des Weibes mit Eselssturheit immer kostbares Geschmeide auf dem Radar hat, ist der komplexere männliche Geist wankelmütig. Objektiv betrachtet wären die angesparten 100000 Euro im Karton in einem roten Sportwagen oder einem zehnminütigen Weltraumflug viel besser angelegt.

Was wäre, fragt sie sich, wenn der launenhafte Gatte das sauer angesparte Geld in einer schwachen Minute für einen Maserati verpulvert, während sie gerade zwei Tage beim Strähnchenfärben ist? Deshalb darf er es nie in die Hände bekommen.

Hier kommt jetzt die frauenfreundliche Schweiz mit ihrem Nummernkonto ins Spiel. Im Morgengrauen schnappt sich die Frau den Karton vom Billy, ruft noch ins Schlafzimmer, „ich fahr zu Mutti“. Den Kontrollanruf muss sie nicht fürchten, denn „Mutti“ und er kommunizieren ausschließlich nonverbal. So abgesichert fährt die Dame in die Schweiz und eröffnet mit dem Geld im Schuhkarton ein Nummernkonto. Auf seinen Namen, weil mit Bankgebühren kennt sie sich nicht aus. Jetzt ist das Geld sicher. Ein zwanzigstelliges Nummernkonto kann sich kein Mann merken. Eine Frau, die jede Woche 100 Stunden mit ihren 20 besten Freundinnen telefoniert und 400 Handynummern auswendig kennt, schon.

Dann endlich glänzt auf dem Kontoauszug und in der Auslage von Cartier die gleiche Zahl. Ein letztes Mal fährt sich nach Zürich. Sie ist ganz aufgeregt. Wer schon einmal in Zürich war weiss, dass sich vor den Portalen der Banken gerne ein ehrwürdiges Häuflein Diktatoren, Waffenschieber und Drogenhändler zusammengesellt, um über die nächsten Marketingaktionen zu beraten. Gern fragt man Neulinge um Rat. Aber was kann sie schon zu Panzer oder Kokaindestillen sagen, wenn viel schicksalhaftere Fragen durch ihren Kopf schwirren: passt der Diamant von Cartier auch zum blauen Sommerkleid.

„Gewiss, gnä’ Frau“, sagt Jose, der Diamantendealer. „Der Diamant wirkt mit dem Licht. So wie Vorhänge“. Endlich versteht sie jemand. Wieder hat das Schicksal zwei Seelenverwandte zusammengeführt. Jose lädt sie auf seine Terrasse zum Tee nach Afrika ein, wo Tag und Nacht das richtige Licht herrscht. Nach Afrika, wo der Diamant sowieso herkommt! Das Vorgängermodell zuhause ahnt nichts, wundert sich aber, dass der Schuhkarton weg ist und sie ihren Friseurtermin verpasst. Er wartet eine Weile voller Sorge, ruft aber nach 10 Jahren doch Mutti an und hakt nach. Afrika! Er dachte schon, es ist was passiert. Da kann er endlich wieder guten Gewissen alleine Currywurst essen gehen.

****lol!** Die Männer

****lol!** Die Männer beginnen zu verstehen! Sollen wir Frauen vielleicht Kieselsteine tragen?! Die liegen doch überall rum! Die sind kein Liebesbeweis!!