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Viva la revolución!
Einmal habe ich ein Gewaltspiel gespielt. Zuvor beschränkte sich meine Erfahrung mit Computer-, Tele- und Videospielen weitestgehend auf Pacman und Hello Kitty. Pacman befand sich im Besitz meiner Cousins, die leider nur selten zu Besuch kamen, während Hello Kitty mir persönlich gehörte. Hello Kitty war damals noch nicht berühmt. In meinem Spiel spielte sie Tennis gegen ein anderes Tier. Hello Kitty musste das andere Tier besiegen, was mir häufig gelang. Niemand außer mir kannte Hello Kitty, ich war meiner Zeit also mal wieder zwanzig, dreißig Jahre voraus. Nun jedoch holte mich die Vergangenheit wieder ein, allerdings nicht in Form von Hello Kitty, sondern als ein Spiel namens Gears of War II.
Das Spiel gehörte dem Mann einer Freundin, die gerade einen langwierigen Haarschnitt von einer anderen Freundin bekam, sodass mir bereits nach vier Stunden langweilig wurde. Im Wohnzimmer der Freundin und des Mannes stand eine X-Box bereit. Hm, dachte ich. Inspiriert knipste ich den modischen Flachbildfernseher an und machte mich auf die Suche nach einem geeigneten Spiel. Fußball kam schon mal nicht infrage. Pacman gab es nicht. Also entschied ich mich für Gears of War II.
Zuerst kam eine Art Einführung. Ich erfuhr, dass es nicht gut stand um die Welt. Es herrschte sehr schlechtes Wetter, auch die Gebäude waren in keinem guten Zustand. Um die Sache nicht noch schlimmer zu machen, wurde von mir erwartet, dass ich Feinde ausmerzte, die sich Locust nannten. Na ja, dachte ich, warum nicht? Ich wählte den Modus „lässig“ und drückte auf Start. Leider musste ich als Erstes feststellen, dass ich ein Mann war. Ich hatte einen Hals, der breiter war als mein Kopf, und trug einen Kampfanzug. Was will man machen, dachte ich, ich muss mich wohl so nehmen, wie ich bin. Ich übersprang die Trainingseinheit und lief gleich los, und zwar gegen eine Wand. Zum Glück hatte ich mir nichts getan und rannte weiter, bis ich auf ein paar Leute stieß, die mir alle sehr ähnlich sahen. Ich begann sofort, Löcher in eine Tür zu schießen. Kacke, dachte ich, das Zielen muss ich noch üben. Seltsamerweise schossen die Leute nicht zurück, sondern schlenderten missmutig von hier nach dort. Ach so, ging es mir auf, das sind meine Verbündeten! Ich beschloss, ihre Vertrauensseligkeit auszunutzen und mir mit ihrer Hilfe den Umgang mit der Waffe anzueignen. Vergnügt richtete ich mein Maschinengewehr auf einen meiner Freunde.
Der Freund kniete hinter einem mit Blut und Unrat bedeckten Schreibtisch und lauerte. Aufgeregt betätigte ich den Schießknopf und traf. Ha, dachte ich, doch das Triumphgefühl währte nicht lang. Der Freund lauerte noch immer unversehrt vor sich hin. Verdammt, ärgerte ich mich und schoss erneut. Wiederum geschah nichts. Vielleicht trägt er eine kugelsichere Weste, spekulierte ich, drückte auf einen anderen Knopf, wechselte daraufhin die Waffe und bewarf den Mann mit einer Handgranate. Er vertrug die Attacke ebenso gut wie die Schüsse. Alte Sau, dachte ich.
Beleidigt wandte ich mich ab und ging woanders hin. Als ich um eine düstere Ecke bog, kam mir auch schon ein Feind entgegen. Ich erkannte ihn daran, dass er prompt seine Munition auf mich abzufeuern begann. Ich bekam ein paar Treffer ab und ging geschwächt in die Knie, doch dann schaffte ich es, abermals die Waffe zu wechseln und revanchierte mich. Der Feind war offenbar empfindlicher als der Freund, sodass ich rasch ein schönes Blutbad angerichtet hatte. Gern hätte ich auch noch nachgetreten, als das Arsch bereits am Boden lag, doch ich wusste nicht, wie das ging.
Dann war der Haarschnitt der Freundin fertig. „Ich sehe aus wie Michael Ballack“, fand sie. „Stimmt“, bestätigte die andere Freundin. Mir war Michael Ballack egal. Ich wollte noch ein bisschen randalieren. Die andere Freundin wollte gehen. Schweren Herzens schaltete ich die X-Box aus. Ich muss unbedingt wiederkommen, dachte ich. Ich muss schließlich noch das Nachtreten lernen.
Aber gerade von Michael
Aber gerade von Michael Ballack könnten Sie das Nachtreten lernen!
... aber erst, nachdem sie
... aber erst, nachdem sie von ihm gelernt hat, blöd zu grinsen, dumm zu schwätzen, unerhebliches und überhebliches Zeug zu labern, jede Kritik ungehört zurückzuweisen und dann in der Nase zu popeln.