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Viva la revolución!
Bestimmt gehören Sie auch zu denen, die auf unsere vaterländisch gesinnten Mitmenschen herab blicken, weil Sie die bornierte Ansicht vertreten, der vaterländisch gesinnte Mitmensch sei ein minder begabter Klotzkopf, welcher in klobigem Schuhwerk einher stiefelt und doofe Naziparolen vor sich hin muht, weil die scheißliberale Gesellschaft heutzutage weder durch Gotteslästerung noch durch ordinäres Vokabular aus dem Bereich der Sexualität zum Ausbrechen in Igitt-Geschrei zu verleiten ist.
Was sind denn das für arme Würstchen, denen nichts Besseres mehr einfällt als die ollen Hitlerautobahnkamellen, denken Sie wahrscheinlich und wenden sich angewidert ab, wenn wieder mal eine Heil- und Deutschland-blökende Kapuzenhorde herbei getrampelt kommt.
Sie sollten sich nicht abwenden. Ich habe mich auch abgewendet, als neulich eine Heil- und Deutschland-blökende Kapuzenhorde herbei getrampelt kam, während ich gerade einen 20-kg-Sack mit Katzenstreu zu meinem Kleinwagen schleifte, denn die Kapuzenhorde wurde von viel Blaulicht und einer Friedenslieder singenden Gegendemonstration eskortiert, und ich wollte auf keinen Fall den Rest meines freien Tages bei 25 Grad in einem mit Katzenstreu beladenen Kleinwagen auf dem Parkplatz zwischen Aldi und Tierfutterladen verbringen, weil auf der verdammten Straße für das Recht auf freies Meinungsgrölen demonstriert wurde. Wenn es um die Gestaltung meines freien Tages geht, kann ich nämlich sehr egoistisch sein und notfalls auch sehr undemokratisch, weswegen ich mich vom politischen Geschehen meiner schönen Heimatstadt abwandte und schleunigst zusah, dass ich dorthin kam, wo Katzenstreu vonnöten war.
Nicht dass Sie jetzt von mir denken, ich sei ein politisch unbedarfter HansguckindieLuft, der dem politischen Geschehen in seiner schönen Heimatstadt weniger Bedeutung zumisst als dem Katzenpissegestankspegel in der heimischen Behausung. Ich habe schon mal von einem Laternenpfahl einen ausländerfeindlichen Aufkleber abgerissen und mit spitzen Fingern zum nächsten Papierkorb getragen. Gerne hätte ich auch einen zufällig des Weges kommenden Mitbürger mit Migrationshintergrund umarmt und ihm versichert, dass nicht alle so dächten, aber es kam gerade kein Mitbürger mit Migrationshintergrund zufällig des Weges. Es kam überhaupt keiner des Weges, weder Mitbürger mit noch ohne Migrationshintergrund, und so blieb meine engagierte Tat bedauerlicherweise unentdeckt. Nachdem ich zwanzig Minuten vergeblich an diesem dämlichen Papierkorb drauf gewartet hatte, dass mal endlich einer kommt, dem ich von meinem mutigen Eingreifen erzählen kann, ging ich schließlich weiter einkaufen und sah von weiterem Schildchenabreißen von Laternenpfählen ab.
Aber bevor Sie jetzt an Ihren eichenen Gründerzeitschreibtisch eilen und den Gänsefederkiel in Tintenfässchen tunken, um mich in einem glühenden Schreiben an den Bundespräsidenten für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande zu empfehlen: Halten Sie ein! Wahre Größe, wie ich sie z. B. besitze, äußert sich ja nicht nur in engagiertem Schildchenabreißen. Nein, wahre Größe beweist sich im Innehalten, beweist sich in der Frage nach dem menschlichen Schicksal hinter einer Tat. Was sind das nur für Menschen, die garstige Schildchen an Laternenpfähle kleistern, sollten wir uns fragen und uns nicht mit der gefälligen Antwort einer scheißliberalen Gesellschaft zufrieden geben, der garstige Schildchenkleisterer sei ein minder begabter Klotzkopf, welcher in klobigem Schuhwerk etc. (s. Abs. I, dann muss ich nicht so viel tippen.)
Meine schöne Heimatstadt hat etwa 50.000 Einwohner. Davon gehen maximal fünf zu Satirelesungen, weitere zwei sind Neonazis. Ersteres weiß ich ganz genau, letzteres erfuhr ich aus der Zeitung, weil ich ja über wahre Größe verfüge und mich die Frage umtrieb, welcher Abgrund an menschlichem Schicksal uns angähnt, wenn wir an Laternenpfählen garstige Schildchen erblicken. Da ich von weiterem Schildchenabreißen Abstand genommen hatte, weil sowieso keiner guckte, war auf den Laternenpfählen der schönen Heimatstadt eine erkleckliche Anzahl von Schildchen verblieben, welche von den 49.997 Mitbürgern, welche weder ich noch Neonazis waren, mit Befremden beäugt wurden, dann man wähnte mitbürgerlicherseits die schöne Heimatstadt im Würgegriff einer der erklecklichen Anzahl garstiger Schildchen entsprechenden Anzahl minder begabter Klotzköpfe in klobigem Schuhwerk. Angesichts des mitbürgerlichen Befremdetseins schritt schließlich die Ordnungsmacht ein und verhaftete die beiden in der schönen Heimatstadt verfügbaren Neonazis, die neben dem Schildchenjob auch noch diverse Leute krankenhausreif geschlagen hatten.
Man sollte meinen, dass die Mitbürgerlichkeit nun Ruhe gegeben hätte, da ja alle beiden Neonazis ordnungsgemäß hinter Schloss und Riegel saßen, doch es murrte weiter aus Mitbürgerkreisen, vor allem als am Tage der Gerichtsverhandlung eben jene Heil- und Deutschland-blökende Kapuzenhorde herbei getrampelt kam, in welche ich mitsamt meinem 20-kg-Sack Katzenstreu geriet. Wo kommt denn diese Heil- und Deutschland-blökende Kapuzenhorde her, murrte die Mitbürgerlichkeit, wir verfügen doch nur über zwei Neonazis, und die hat die Ordnungsmacht doch weg geschlossen, damit die nicht die ganze Stadt mit Schildchen vollkleistern und nebenbei noch diverse Leute krankenhausreif schlagen.
Von außerhalb, von außerhalb, ließ sogleich die Ordnungsmacht über die Lokalzeitung verlautbaren, von außerhalb käme die blökende Kapuzenhorde, denn alle in der Heimatstadt vorrätigen Neonazis habe man ja ordnungsgemäß in Verwahrung genommen. Bei der blökenden Kapuzenhorde handle es sich um ein marodierendes Randalerudel, welches im Land herum reise, um bei der besorgten Mitbürgerlichkeit den falschen Eindruck einer erklecklichen Anzahl zu erwecken.
Das hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Es gibt gar kein zunehmendes Naziproblem in all unseren schönen Heimatstädten. Es gibt in Wirklichkeit nur dieses armselige Häufchen entwurzelter Menschen, die vagabundierend umher ziehen und Heil und Deutschland blöken, weil sie Not und Mangel leiden. So ähnlich wie Frauen mit kleinen Titten. Frauen mit kleinen Titten glauben auch immer, es gäbe nichts Schöneres auf der Welt als zwei Kilo zusätzliches Fett- und Drüsengewebe an sich runterhängen zu haben. Es gibt durchaus Schöneres. Ich möchte zu bedenken geben, dass nirgendwo sonst in der Tierwelt Weibchen mit voluminösen Säugevorrichtungen vorkommen. Nur beim Menschen ist das so. Vergleichbar große Euter findet man sonst nur bei Kühen, und da kommen sie nicht auf natürliche Weise zustande, sondern weil sie sich vom ewigen Gemolkenwerden unnatürlich weit ausdehnen, was den Kühen weh tut und gegen die Massentierhaltung spricht.
Was nun die Nazihaltung angeht, bin ich der Meinung, man sollte sie einführen. Nazis brauchen eine Heimat. Man sieht doch, wohin das führt, wenn sie keine haben. Dann reisen sie in der Weltgeschichte herum und erschrecken beheimatete Menschen mit ihrem Geschrei, und überlastete Ordnungsmächte müssen sich einen Wolf erklären, wo die ganzen Nazis herkommen. Und das alles nur, weil der Mensch so beschaffen ist, dass er immer haben will, was andere haben und er selber nicht, gedehnte Euter zum Beispiel oder eine Heimat. Das marodierende Nazirudel gehört umgehend eingefangen und nach Westfalen verklappt, wo es in einem schimmeligen Fachwerkhaus mit zu kleinen Fenstern den ganzen Tag lang die unsterblichen Verse von Augustin Wibbelt auf Endloskassetten hören und Möpkenbrot essen muss. Dann ist aber ganz schnell Schluss mit dem Deutschlandgegröle. Das kann Ihnen jede Kuh versichern, die sich schon mal aufs Euter gelatscht ist.
(Für den Fall, dass Sie fernab des Westfalenlandes leben: Googlen Sie nicht “Möpkenbrot”. Es gibt Dinge, die wollen Sie gar nicht wissen.)
Davon träume ich schon lange. Woher hast du es...
Ich finde dich so romantisch - möchtest du mal...
;D weiter so...
Danke für diesen wunderbaren Artikel - auch ich bin...
... aber erst, nachdem sie von ihm gelernt hat,...
Ja, das mit dem Kloschaum ist so eine Sache....
Aber gerade von Michael Ballack könnten Sie das Nachtreten...