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Viva la revolución!
Eines Nachts besuchte der große grüne außerirdische Roboter den israelischen Ministerpräsidenten.
„Was willst du denn hier?“, fragte der israelische Ministerpräsident. Der außerirdische Roboter blinkte müde. „Ich komme, weil wir, seit wir euch entdeckt haben und beobachten, hoffen, dass euer Planet den Frieden findet. Jetzt komme ich mit einem Vorschlag. Ihr Israeli zum Beispiel führt seit mehr als zweitausend Jahren Krieg gegen die Palästinenser...“
„Daran sind die Palästinenser schuld“, sagte der israelische Ministerpräsident.
„Ja, gewiss“, sagte der außerirdische Roboter und surrte. „Unsere Hoffnung auf Frieden zwischen euch ist nicht mehr viel größer als eine verglühte Sternschnuppe ... die Hoffnung, dass ihr es alleine schafft ... kurzum, wir machen dir einen Vorschlag. Du hast vierundzwanzig Stunden Bedenkzeit. Wenn du zustimmst, werde ich „Delete all“ drücken ... und alle Palästinenser sind noch in derselben Sekunde beseitigt. Danach gibt es auf der ganzen Welt keine Palästinenser mehr.“
„Keine Palästinenser mehr?“
„Nicht einen einzigen.“
„Auch keine kleinen?“
„Gar keine mehr. Schlönke-dönke und weg! Bedenke es bis morgen, bis ich um die gleiche Uhrzeit wieder bei dir bin. Wie gesagt: „Delete all! und dönke - weg!“, sprach der außerirdische Roboter, warf seinen Motor an und flog zum Fenster hinaus.
Der Ministerpräsident ging auf und ab. Vom logischen Standpunkt aus war nichts einzuwenden: Wenn Ziele die Mittel rechtfertigen - und viele Zeitgenossen waren dieser Ansicht - war natürlich die komplette Auslöschung, Vernichtung des Gegners das effektivste Mittel, um Frieden zu schaffen - und danach vielleicht noch den Friedensnobelpreis zu bekommen. Und wenn dies noch dazu mit einer Art außerirdischem Neutronenbomben-Spruch vonstatten gehen konnte...
Mit zittrigen Händen griff der Ministerpräsident zum Telefon und tippte die Nummer des Palästinenserführers.
“Ich weiß schon“, sagte der. „Bei mir ist er auch schon gewesen und hat denselben Vorschlag gemacht - nur umgekehrt. Alle Israeli weg-auf-einen-Schlag und so.“
„Und wie denkst du darüber?“
„Ich denke, wir sind uns einig, nicht wahr?“, sagte der Palästinenserführer. „Die Auslöschung des Gegners wäre für jeden von uns eine ebenso große Katastrophe wie ein Frieden, der auf eine andere Art zu Stande kommt: Kein Auftauchen mehr in den täglichen Schlagzeilen weltweit - sich nicht mehr im Fokus internationaler Politik befinden - keine wöchentlichen Interviews mehr über gescheiterte Friedensverhandlungen - keine durchgreifende Macht mehr durch Kriegsrecht - sondern stattdessen: abgleiten in politische und gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit. Wir brauchen beide diesen Krieg und wir werden denen den Frieden in den Dickdarm schieben, falls sie überhaupt einen haben!“, lachte der Palästinenserführer.
„Ich danke dir - jetzt bin ich erleichtert“, sagte der israelische Ministerpräsident. „Ich dachte schon...“
„Spinnst du?“, sagte der Palästinenserführer. „Noch was: Das Selbstmordattentat morgen, das schaffen wir erst bis kurz nach vier; kannst du mir noch sagen, wo genau du bombardieren wirst?“
Er erhielt keine Antwort mehr ... es verging der Flügelschlag eines Kolibris und es machte Dönke! - die beiden Telefonhörer fielen zu Boden...
Ein Lächeln blinkte grün.
[4.3.2004]
...
[4.1.2009, Spiegel-online, ein neues Jahr hat begonnen]
Tel Aviv - Auch am Sonntagmorgen sind nach Fernsehberichten schwere Explosionen und Maschinengewehrfeuer zu hören. Die Luftangriffe werden Zeugenberichten zufolge fortgesetzt. Der Korrespondent des britischen Fernsehsenders BBC berichtet von heftigem Beschuss aus Panzerkanonen. Der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira spricht von schweren Kämpfen in Gaza-Stadt. Die israelischen Truppen sollen demzufolge Beit Lahia und Beit Hanun im nördlichen Gaza-Streifen erreicht haben.
Israelische Soldaten waren unterstützt von Panzern und Kampfhubschraubern am Samstagabend in den Norden und Osten des Palästinensergebiets vorgerückt. Gaza wurde auch von See her beschossen. Auf Live-Bildern des Fernsehens waren Explosionen in Gaza zu sehen. Leuchtkugeln erhellten den Himmel, während Rauchsäulen aufstiegen. Teilweise fiel der Strom aus.
Mit der Bodenoffensive beginnt die zweite Phase der "Operation Gegossenes Blei", an der nach Angaben der israelischen Armee eine "bedeutende Anzahl von Truppen" beteiligt ist. Israel wolle Gebiete einnehmen, von denen aus militante Palästinenser seit Monaten Raketen auf israelisches Territorium geschossen hätten, erklärte das Büro von Regierungschef Ehud Olmert am Samstagabend. Verteidigungsminister Barak betonte, die Bodenoffensive werde "nicht leicht und nicht von kurzer Dauer" sein. Sein Ministerium mobilisierte Tausende Reservisten.
Die Hamas reagierte mit Drohungen auf den Einmarsch. "Mit Gottes Hilfe wird Gaza für euch zum Friedhof werden", erklärte Hamas-Sprecher Ismail Radwan.
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Foto: Gert Altmann
Komplimento für eine gute
Komplimento für eine gute Satire!
Der Gott der Liebe ist doch
Der Gott der Liebe ist doch christlich, nicht jüdisch!
OK. Jetzt mach ich das mit
OK. Jetzt mach ich das mit dem Roboter!
Freiwillig, oder bist du
Freiwillig, oder bist du dazu gezwungen worden ;-)) ?
toll ... eine satirische
toll ... eine satirische kurzgeschichte par exelence, wenn ich das mal so sagen darf. trotz der recht kurzen länge schaffst du es, etliche gute pointen einzubauen, stets überschattet von der äußerst guten grundidee, welche sich für satire anbietet. ich muss dir in bezug auf die logik ebenfalls rechtsprechen, denn bei einer solchen geschichte hat eine diskussion um logik wahrlich keinerlei sinn.
also... na ja... ich weiss
also... na ja... ich weiss nicht. die ganze sache ist gut und witzig geschrieben, aber meiner meinung nach, fast ein bisschen zu niveaulos. Ich meine, das sind schon krasse Sachen, Krieg und so und du ziehst das hier alles ins lächerliche!? Aber ansonsten echt gut!
Ist das jetzt schon wieder
Ist das jetzt schon wieder die Diskussion "Was darf Satire?" - Was Satire DARF, hat Kurt Tucholski beantwortet: alles. Vielleicht stimme ich dem nicht ganz zu; aber "Krieg und so" ist eine so ernste Sache, DASS sie Satire braucht. Satire ist an sich ernst, wenn ambitioniert.
Ich denke, würden die Friedensverhandlungen auch dann noch scheitern, wenn den Protagonisten echte Nachteile zuteil würden? Wenn sie z. B. nach jeder gescheiterten Verhandlung erstmal gründlich ausgepeitscht würden? Statt zur Pressekonferenz zu gehen? Ich behaupte, möglicherweise gäb's da recht schnell Frieden!
Und:
Das Niveaulose ist in den uferlosen Rationalisierungen prallen Hasses zu finden, der uns allwöchentlich zu diesem Thema erreicht - meine ich. Lächerlich ist doch die Kacke, mit der - über die Köpfe vieler leidender Menschen auf beiden Seiten - hinwegargumentiert wird. Ganz ernsthaft.
Ein wahrhaft bissiger Text
Ein wahrhaft bissiger Text über die Hauptakteure im Kampf um das `Heilige Land` - und nicht nur über diese!
"Ich komme im Auftrag Gottes. Falls du dich nicht an ihn erinnern kannst, das ist der, den man den ‚Gott der Liebe’ nennt. ...aber Frieden ist ihm nun mal leider sehr wichtig, ...
Diese Sätze zeigen überdeutlich, dass es den Beteiligten nicht um Liebe und Frieden geht, sondern um die Durchsetzung ihrer politischen Ziele. Immer nur gegenteilige Schuldzuweisung sowie fehlende Aussicht auf Beendigung der Kampfhandlungen, bei denen immer mehr Menschen geopfert werden. Kein Wunder, dass eine Beseitigung der obersten Drahtzieher zumindest als erster Weg für eine Beruhigung auf beiden Seiten ins Auge gefasst wird.
Die lockere Sprache des Engels sehe ich als Kontrapunkt zu der Verbohrtheit der Politiker.
Schön böse!
Gott weiß alles, kann daher
Gott weiß alles, kann daher keine wie immer geartete Hoffnung haben, und er weiß letztlich auch, wie sich die beiden entscheiden werden – mit anderen Worten: es geschieht auf Erden ohnehin nur der Wille Gottes, der Krieg ist also gottgewollt. und der Text leicht unlogisch.
Einen "Was wäre,
Einen "Was wäre, wenn..."-Text wie diesen als 'unlogisch' zu bezeichnen, ist doch Blödsinn. Hier geht es nicht um Gott oder Gottesbilder, sondern um Machtpolitik - Gott und die/der Engel sind bloßes Vehikel. Da könnte man auch Kafkas "Verwandlung" als 'unlogisch' bezeichnen -- weil Menschen sich nicht in Käfer verwandeln können....
Du willst doch Robert Reitz
Du willst doch Robert Reitz nicht mit Franz Kafka vergleichen?
Ich habe R. nicht mir K.
Ich habe R. nicht mir K. verglichen, ich habe eine Veranschaulichung benutzt.
In dem Text geht's nicht um Gott. Wahrscheinlich könnte statt des Engels auch Manitou auftreten oder ein großer grüner außerirdischer Roboter ... es geht noch nicht mal (nur) konkret um den Nahostkonflikt (allein) - es geht um einen politischen Mechanismus, bzw. einen zynischen Aspekt davon.
Du kennst Gott
Du kennst Gott PERSÖNLICH?!!
Der als Felix getarnte User
Der als Felix getarnte User IST vielleicht Gott!
Endlich wurde
Endlich wurde herausgefunden, wer an dem aktuellen Konflikt "Schuld ist". Frau Merkel erklärt, die Hamas/Palästinenser. Kommt halt drauf an, wie weit man zurück geht in der Geschichte, gell?
Sehr amüsant - (wenn ich
Sehr amüsant - (wenn ich auch bisher immer dachte, Gott ist auf Seiten der Opfer) ... geil ist auch immer das "Mit Gottes Hilfe (werden wir die Gegner vernichten)" - auf beiden Seiten. Da müsste Gott schon schizophren sein, um's allen Recht zu machen, und das bringt der Text schön geil rüber!
Gott ist auf der Seite der
Gott ist auf der Seite der Opfer. Da jedoch alle nur Opfer sind, die sich gegen die Bösen (=die anderen) wehren, ist Gott auf der Seite von allen gegen alle. Ist das nun geklärt?
Kurzweilige, flott zu
Kurzweilige, flott zu lesende, gut pointierte kleine Satire, die mir gut gefallen hat.
Nicht so gut gefallen hat mir die Tatsache, dass der Engel beiden diesen Vorschlag da gemacht hat, das halte ich für ein wenig unlogisch, aber es ist eine Satire und daher auch erlaubt.
ZITAT:
„Noch was: Das Selbstmordattentat morgen, das schaffen wir erst bis kurz nach vier; kannst du mir noch sagen, wo genau du bombardieren wirst?“
Woooah -- was für ein Zynismus!
Interessant ist, dass die
Interessant ist, dass die beschreibende Satire oft stärkere Entrüstung hervorruft als die Tatsachen, die beschrieben sind. Was wirklich zynisch ist, ist die Realität; sind die Rationalisierungen hassgesteuerter Politikerhandlungen ...