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Viva la revolución!
Das Leben ist keine Dschungelprüfung, sage ich mir immer wieder, jedenfalls nicht das normale Leben, das sich in Broterwerb und karge Freizeit gliedert, doch allmählich kommen mir Zweifel. Die Tätigkeit, die ich mir seit neuestem zum Broterwerb gewählt habe, ist nämlich eine, die in Sachen Unkommodität mit den Straußen, Spinnen und zu essenden Hoden des Dschungels locker mithalten kann. Deshalb möchte ich, dass Sie ab heute einen der traditionsreichsten Berufe der Welt mit anderen Augen sehen, mit den Augen des Wissenden, des Eingeweihten.
Sie alle haben häufig, wenn nicht gar täglich Kontakt mit den Ausübenden dieser Tätigkeit. Sie erwarten sie oft sehnlichst. Und wenn sie kommen, sehen Sie gelb: Die Rede ist selbstverständlich von Ihrem Briefträger. Ihr Briefträger ist ein sehr viel härter arbeitender Zeitgenosse, als Sie es sich vorstellen, insbesondere wenn er noch unerfahren ist in seinem Beruf, so wie ich. Pfeilschnell saust er stundenlang durch seinen Bezirk, in dem Sie zufällig ansässig sind, und dieser Bezirk hat die ungefähre Größe der Wüste Gobi, bloß ist er voller Häuser, die schlimmstenfalls von Gartenzäunen umgeben sind, sodass der Briefträger absteigen, schwer beladen mit Ihrer Post durch das Törchen schlüpfen und eine liebevoll angelegte, aber leider oft weite und verschlungene Strecke bis zu Ihrem Briefkasten zurücklegen muss.Gern befindet sich Ihr Briefkasten direkt neben der Haustür, zu der wiederum mehrere Stufen emporführen.
Stufen sind überhaupt so eine Sache. Der Briefträger liebt die Stufe nicht, denn er muss am Tag Tausende und Abertausende von Stufen hinauf- und wieder hinabsteigen. (Er stellt sich folglich die Hölle als eine Art unendliche Treppe vor.) Doch das ist noch lange nicht alles. Während Sie noch im Bademantel sind, Ihrem Tagewerk nachgehen oder, wenn besonders viel Post anfällt, bereits von Ihrem Tagewerk wieder zurückkehren, lässt der Briefträger Ihre Briefe, Päckchen, Kataloge, Gerichtsbescheide, Rechnungen und Ihr Einkauf aktuell elegant in den Briefkastenschlitz gleiten. Günstigstenfalls. Denn nicht immer wollen Briefe, Päckchen, Kataloge, Gerichtsbescheide, Rechnungen und Einkauf aktuell gleiten, sie wollen vielmehr feststecken, weil das Innere Ihrer Postempfangsvorrichtung aus grobem, mit gefährlichen Splittern bewährtem Holz besteht, oder weil sie winzig klein ist oder weil die Klappe einen bösen Schnappmechanismus aufweist, der nicht nur die Post, sondern auch die empfindlichen Fingerspitzen des Briefträgers mit roher Gewalt umklammert.
Manche Briefkästen haben sogar Zähne. Das muss man sich mal vorstellen. Und wenn der Briefträger nach Einbruch der Dunkelheit in seinen Stützpunkt zurückkehrt, erschöpft und gedemütigt von Briefkästen, Hunden, Stürmen, Hagel, Frost und Regen, findet er nicht selten eine Beschwerde vor. Weil Sie Ihr Einkauf aktuell nicht bekommen haben. Oder weil Sie Ihr Einkauf aktuell bekommen haben, obwohl Sie es gar nicht als ihr Einkauf aktuell betrachten, denn Sie sind schließlich Werbeverweigerer.
Wenn Sie jedoch ein besonders angriffslustiger Charakter sind, halten Sie sich gar nicht mit Beschwerden auf. Dann passen Sie den Briefträger persönlich ab und halten ihm einen Vortrag darüber, wie genau er Ihren Einkauf aktuell in den Briefkasten einzulegen hat und wie nicht. Und wenn Sie den Briefträger besonders provozieren wollen, dann reden Sie ihn im Plural an. ICH RÄUM HIER DOCH NICHT IMMER EUERN MIST WEG, rufen Sie laut aus, IMMER MUSS ICH EUERN MIST HIER WEGRÄUMEN! WIR WOLLEN EUERN MIST HIER GAR NICHT HABEN!
Dann, lieber Postkunde, heften Sie doch einfach einen Aufkleber an Ihren Briefkasten. Bitte keine Werbung. Und alles wird gut.
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Foto: wrw
Ganz netter Happen für
Ganz netter Happen für zwischendrin, deine Story. Ich persönlich wünsche mir bei Satire zum Ende hin "Eskalation" - die zum humorvoll-deskriptiven hinzukommt. In deiner Story könnte dem Briefträger ruhig noch was Schreckliches passieren!
Das sehe ich auch so - am
Das sehe ich auch so - am Ende kannst du ruhig noch "reinhauen"! Habe mich aber gut unterhalten gefühlt!